Junggesellenclub 1966 Eschweiler über Feld e.V.

Mitglied im Kreismaibund Düren


Geschichte des Junggesellenclubs

 

„Ein alter und ziemlich allgemeiner Brauch der Eifel war es, einige Zeit vor der Kirmes die Mädchen des Dorfes zu versteigern.“ Versteigerung von Mädchen fanden aber nicht nur zur Kirmes statt, sondern auch zum 1. Mai. In einer Schilderung über Sitten und Gebräuchen im Regierungsbezirk Aachen heißt es dazu: „Am 1. Mai soll jedes Mädchen ein mit Maiengrün verziertes Haus haben. Keins soll bevorzugt sein. Dafür sorgen die Jungen des Dorfes gemeinsam. Bloß, wo eine wohnt, die sich ganz und gar daneben benimmt, da werden statt Maien Dornhecken aufgesteckt. So ist es auf allen Dörfern. Dieser Brauch wurde in unserem Dorf ebenfalls praktiziert. Anfang April versammelten sich alle unverheirateten Dorfjungen ab 18 Jahren entweder in der Gaststätte Ruland bzw. Watteler. Einer fungierte als „Ausklopfer“ 2 oder 3 Anderen als Kassierer. Dann wurden die Unverheirateten Mädchen des Dorfes zwischen 18 und 80 Jahren der Reihe nach aufgerufen. Ersteigerte niemand das Mindestgebot, wanderte das Mädchen in den Sack. Das Mädchen, dass den höchsten Preis erbrachte, war „Maikönigin“, derjenige, der sie ersteigert hatte, „Maikönig“. Zum Schluss wurde dann der Sack versteigert.

Nachdem die Versteigerung beendet war, zogen alle Jungen gemeinsam durch das Dorf, und riefen vor dem Haus des ersteigerten Mädchens das „Maipaar“ aus. Natürlich machte jeder Junge im Laufe der folgenden Tagen sein Antrittsbesuch bei den Eltern der „Maibraut“, selbstverständlich nicht mit leeren Händen: Für die Mutter des Mädchen gab es einen Blumenstrauß und für die ersteigerte „Braut“ eine Schachtel Pralinen oder entsprechendes.  Bei diesem Besuch bat man die Eltern des Mädchens um Erlaubnis, mit der Tochter zum Tanz in den Mai gehen zu dürfen. Am Morgen des 1. Mai zierte dann ein bunt geschmückter Maibaum (Birke) das Haus der ersteigerten Maibraut.

So war es früher. Unterbrochen wurde dieser schöne Brauch durch den 2. Weltkrieg. Erst 1948 kam es wieder zur ersten Versteigerung. Maikönigspaar wurden Josef Braun und Hanne Kalff. Bis zum Jahre 1956 fanden sich dann immer wieder genügend junger Männer, die die Versteigerung, den Umzug durch das Dorf und den Maiball organisierten. In den folgenden 10 Jahren ruhte der Brauch. Dann jedoch erfolgte eine Wiederbelebung, die gleichzeitig verschiedene Änderung mit sich brachte: Die Gründung des „Junggesellenclubs“. 40 Junggesellen trafen sich am 29. März 1966 und legten im Paragrafen 1 die Statuten der Ziele fest: „Zweck des Clubs ist die Förderung und Hebung der Eintracht und Geselligkeit innerhalb des Dorfes. Der Club hat sich zur Aufgabe gesetzt, das Maifest zu gestalten und die damit verbundene Ersteigerung der Maibräute durchzuführen.“ Ein Jahr später kam es dann zur Wahl des Vorstandes.

1. Vorsitzender: Franz Großmann

2. Vorsitzender: Albin Wiese

Geschäftsführer: Hubert Schmitz

Schriftführer: Hans Peter Karwath

Erstes Königspaar nach der Neugründung wurden Hubert Schmitz und Gitti Pflücken. Schnell wurde klar, dass man sich nur den Maibräuchen verpflichtet fühlte, sonder sich auch aktiv an der äußeren Gestaltung des Dorfes beteiligte. Eine der ersten Aufgaben war die Errichtung eines Kinderspielplatzes – für Eschweiler über Feld etwas vollkommen Neues. Nachdem ein geeigneter Platz in der Dorfmitte gefunden worden war (ehemaliges Baugrundstück von Josef Ruland), begann man bereits 1967 mit der Erstellung der Spielgeräte. Dazu wurde die Garage des 1. Vorsitzenden (Franz Großmann) zur Schlosserei umfunktioniert. Aber auch viele junge Väter packten beherzt mit an. So entstanden in vielen Arbeitsstunden die Spielgeräte. Nachdem die fertiggestellt waren, wurden sie aufgestellt. Gleichzeitig erhielt der Spielplatz noch eine Einfriedung und konnte dann durch dem Pfarrer Wilhelm Pohl eingesegnet werden. Gleichzeitig übertrug die Gemeinde Nörvenich dem Junggeselllenclub die Aufsicht und Pflege des Platzes.

Eine weitere Aktivität bestand darin, den Kinderprinzen in einer feierlichen Handlung in Kamellen aufzuwiegen. Eine bis heute gepflegte Zeremonie, so wie das teilnehmen an den Pfarrfesten mit eigenem Stand.

Zur Pflege der Kameradschaft führte man jährlich Ausflüge durch. Hauptziel wurde der Ort Mayschoß an der Ahr. Aber auch Valkenbrug, Unkel, Königswinter und Kobern gehörten zu den Reisezielen. So bald Karneval vorbei war, begann auch wieder die Aktivitäten der Mitglieder des Junggesellenclubs: Das Maifest musste vorbereitet werden. Man plante die Termine der Versteigerung und des Maifestes. Und dann kam der Tag der Versteigerung. Aufregung gab es auf allen Seiten. Die Mädchen, sie mussten min. 16 Jahre alt sein, hofften, von einem ganz bestimmten Jungen „gekauft“ zu werden, während die Jungen ebenfalls ihren „Schwarm“ ersteigern wollten. Und so kam es oft, dass der „Preis“ durch andere Burschen nach oben getrieben wurde. Ganz schwer hatten es auswärtige „Freier“. Sie durften mitsteigern, wurden aber immer wieder im Preis durch „Mitbieter“ nach oben getrieben – aber Spaß hatten alle. Da die Versteigerung nach amerikanischer Art erfolgte, kam genügend „Kleingeld“ in die Kasse des Clubs. Das Mädchen mit dem höchsten Gebot war „Maikönigin“. Unmittelbar nach der Versteigerung zogen dann alle Burschen zum Haus derjenigen mit dem Höchstgebot und boten ihr offiziell und feierlich die Würde einer Königin an. Bisher haben alle Mädchen gerne zugesagt, denn man versteht es immer als große Ehre, Maikönigin zu sein.

Die Zeit bis zum 1.Mai wurde genutzt, indem man die Eltern der Maibraut besuchten und die „Plümen“  band, während sich die Mädchen Gedanken um ihre Garderobe machten – sie selber nähten oder kauften. Oft eine sehr teure Sache, die man aber gerne auf sich nahm. Und dann kam die Nacht vom 30. April auf dem 1. Mai.

So bald die Dunkelheit hereinbrach, trafen sich alle Mitglieder des Junggesellenclubs um mit vereinten Kräften das 2-3 Meter tiefe Loch für den Dorfmai auszuheben. Das geschah abwechselnd vor der Gaststätte Ruland bzw. Watteler. Während dieser Zeit führ ein Teil anderer der Junggesellen mit Traktor und Wagen in den Manheimer Wald, um frische Birken und den Dorfmai zu holen. Sobald sie zurück waren wurde zuerst der Dorfmai geschmückt und unter den kängen der Spielvereinigung „Gut Klang“ aufgestellt. 4 bis 5 Burschen blieben als Wache zurück. Danach erhielt die Maikönigin ihren Baum. Dann zogen die Übrigen mit ihren Maibäumen nach Hause, schmückten sie, um sie dann gegen Morgen bei ihren Maibräuten aufzustellen. In zwischen hat der Dorfmai seinen festen Platz vor der Kirche und ein Loch braucht auch nicht mehr ausgehoben zu werden, da man mit vereinten Kräften eine entsprechende Hülse einbetoniert hat (sein 2000). Seit dieser Zeit steht das Festzelt nicht mehr neben der Schule sondern am Sportplatz.

Und dann kam der große Tag des Maifestes. Am ersten Samstag im Mai zog das Maikönigspaar mit Gefolge und Musik in einem bunten Zug durch das Dorf Richtung Kirche. Nach dem Gottesdienst ging es dann in den mit Birken geschmückten Saal Haus Ruland zum Maiball. Die am Zugweg liegenden Häusern wurden geschmückt und die Einwohner grüßten das Maikönigspaar. Am 31. Mai holten die Junggesellen die am 1.Mai aufgestellten Maibäume wieder ab. Mit einem „gemütlichen“ Beisammen sein klang so eine wunderbare Zeit aus.

Auch der Junggesellenclub blieb von Höhen und Tiefen nicht verschont. Nach der anfänglichen Euphorie entging diese wunderbare Brauchtum verschiedentlich nur knapp seinem Ende. Aber immer wieder besann man sich und so kam es dann doch jährlich zu dem herrlichen Fest.

 Im Jahre 1997 wurden die Statuten geändert: Jetzt konnten auch junge Männer aus anderen Orten Maikönig werden. Heute, nach über 50 Jahren des Bestehens, kann man mit Freude verstellen, dass das Interesse der über 16 Jahre alten Junggesellen unseres Dorfes am Fortbestehen des Junggesellenclubs und damit gleichzeitig an der Erhaltung der Tradition sehr groß ist.

 

Einmalig ,bis heute, in der Geschichte des Junggesellenclubs bleibt die Maifeier des Jahres 2003. Der Maikönig Alexander Scheffler verletzte sich beim Aufstellen des Dorfmaibaumes so schwer an der Ferse, dass der Kirchgang, der Festzug durchs Dorf und die anschließende Tanzveranstaltung im Festzelt ohne ihn stattfinden musste. Stattdessen konnte er sich im Krankenhaus von den vorangegangen Strapazen erholen.

 

 

Quelle:Festzeitschrift: 1000 Jahre Eschweiler über Feld (2003)

(kleine Änderungen in den Zeitangaben)

 

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